PFARRE HL. GEORG BEI CELJE

 

Die archäologischen Funde auf dem Berg Rifnik bei Šentjur (Šent+Jur, abgekürzt von Jurij, Sankt Georg) beweisen, dass das Christentum in der breiteren Umgebung der römischen Stadt Celeia bereits in den letzten Jahrhunderten des Römischen Reiches verbreitet war. Bis jetzt wurden zwei Kirchen und eine Reihe von Gegenständen entdeckt, die darüber sprechen. Nach dem Ansässigwerden der Bevölkerung und der Konsolidierung politischer Situationen in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts kam es in den slowenischen Gegenden zur Entstehung der ältesten Pfarren – Urpfarren, unter denen auch Ponikva. Sie umfasste das gesamte Gebiet der jetzigen Pfarre Šentjur. Bei der Errichtung kirchlicher Institutionen spielten eine bedeutende Rolle die jeweiligen Landesfürsten. Für das Gebiet östlich von Celje leistete ihren Beitrag die hl. Hemma von Gurk. In den bis jetzt bekannten Quellen ist die Pfarre des hl. Georg zum ersten Mal als eine selbständige kirchliche Einheit im Jahre 1340 erwähnt, als ihr Leiter Ulrich ernannt wurde. Das Pfarrgebiet war damals größer als heute, im 18. Jahrhundert entstanden nämlich auf diesem Gebiet mehrere selbständige Einheiten.


Kirchenrechtlich war die Pfarre Šentjur unter der Herrschaft der Patriarchen in Aquileia, bis das Patriarchat Mitte des 18. Jahrhunderts abgeschafft wurde. Nach dem Jahr 1493 wurde die gesamte Urpfarre Ponikva mit allen Pfarren, die aus ihr entstanden, darunter auch Šentjur, Bestandteil der pastoralen Tätigkeit des Kapitels zu Novo Mesto, da sie diesem Kapitel auch inkorporiert wurde. Von 1749 bis 1789 stand die Pfarre Šentjur unter der Herrschaft von Erzbischöfen und Metropoliten in Görz, von da an gehörte sie zu der Diözese mit dem Sitz in St. Andrä in Kärnten. Bis Ende des 18. Jahrhunderts führten Pfarrer in Šentjur den Titel eines bischöflichen Kommissars oder Dekans. Danach ist der Sitz des Dekans in der Pfarre Šmarje. Als im Jahre 1859 der selige Bischof Anton Martin Slomšek, aus nahem Ponikva gebürtig, den Bischofssitz nach Maribor übertrug und eine gründliche Reorganisation der Diözese durchführte, wurde die Pfarre Šentjur ein Teil der erneuerten Diözese. Im Rahmen der großen Reorganisation der katholischen Gemeinschaft in Slowenien wurde im Jahre 2006 die Diözese Celje gegründet und seither gehört die Pfarre Šentjur dieser Diözese an.


In ihrem Pfarrgebiet wurden in der Vergangenheit zahlreiche religiöse Marterl, Kapellen und Kirchen errichtet. Als die älteste gilt die Kirche, die auf dem  Platz der heutigen Kirche zu Ehren Mariä, der Schmerzenreichen auf Botričnica stand. Die heutige Pfarrkirche zu Ehren des hl. Georg wurde in 18. Jahrhundert gebaut, geweiht wurde sie 1721. Auf dem Platz dieser Kirche standen bevor zumindest zwei Kirchengebäude. Rund um die Kirche stand Lager mit Wehrtürmen, was für die Ortsbewohner eine gewisse Sicherheit bedeutete. Um die Kirche herum lag der Friedhof, der am Anfang des 19. Jahrhunderts an den jetzigen Platz verlegt wurde. In der Zeit nach dem II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) wurden sowohl im Inneren als auch rundherum der Kirche mehrere Änderungen durchgeführt. Fester Bestandteil der Pfarre waren auch Gebäude für die Seelsorger, denn in der St. Georg-Pfarre waren mehrere Priester tätig. Als in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg die Pfarre ihren Besitz verlor, verloren auch Wirtschaftsgebäude ihre ursprüngliche Bedeutung.


Die St. Georg-Pfarre hat heute vier Filialkirchen. Auf Botričnica steht die Kirche Mariä, der Schmerzenreichen, erbaut im Jahre 1736. Die Rosalia-Kirche wurde gestiftet aus Gelübde, als am Anfang des 17. Jahrhunderts in der Umgebung von Celje die Pest wütete. Als Baujahr gilt 1646. Obwohl die jetzige Kirche der hl. Primus und Felicianus erst im 18. Jahrhundert erbaut wurde, ist es sicher, dass auf diesem Platz ein Kultobjekt bereits früher gestanden hatte. Die Kirche des hl. Achatius wurde aus Dankbarkeit für den Sieg des christlichen Heeres über das türkische Heer gestiftet; der Bau fand Ende des 17. Jahrhunderts statt. Rund um die meisten Filialkirchen lagen Friedhöfe. Während der beiden Weltkriege wurden Kirchengebäude beschädigt und geplündert. Kriegsbehörden nahmen Kirchenglocken und andere Einrichtung weg. Um den Bewohnern der umliegenden Dörfer den Weg zur Kirche und den Kindern zum Religionsunterricht abzukürzen, wurde in dem Herrschaftsgebäude zu Blagovna eine Kapelle zu Ehren der hl. Cyrill und Methodius eingerichtet.


Außer Sakralbauten, Glocken und Orgel, die ihren wesentlichen Bestanteil bilden, bezeugen über das katholische Leben der Gemeinde zahlreiche Aktivitäten, die in den Rhythmus des religiösen Lebens im Laufe des Kirchenjahres eingebunden sind. Die Gemeinde verbinden die Feierlichkeiten bei der Sakramentenspendung. Neben dem Pfarrer und Kaplan bemühen sich auch Kirchenverwalter und Pfarrgemeinderäte für das geistliche Wohl der Pfarre; der letzte Pfarrgemeinderat wurde 2010 gewählt. Kinder sammeln sich zum Religionsunterricht, Jugend und verschiedene andere Gruppierungen halten ihre religiöse Treffen ab. Nicht nur der Kirchenchor, auch mehrere Gesanggruppen sind in der Pfarre tätig. In bestimmten Intervallen wurden in der Pfarre auch Volksmissione abgehalten, die eine besondere Form der Erneuerung des religiösen Lebens bedeuten. Die eifrigeren Pfarrangehörigen machten bei zahlreichen kirchlichen Gemeinschaften und Bruderschaften mit, die im Jahre 1941 ihre Aktivitäten einstellten. In der neuesten Zeit setzen ihre Sendung verschiedene kirchliche Gruppierungen fort. Unter den Jugendgruppen nehmen einen besonderen Platz die Pfadfinder ein, die in das Pfarrleben beflissen eingebunden sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Wallfahrten zu verschiedenen slowenischen Wallfahrtsorten, aber auch zu jenen über die Staatsgrenze beliebt. Die Pfarre ist mit dem religiösen Druck reichlich versorgt, zusätzlich gibt sie auch das eigene Pfarrblatt heraus. Einzelne und Gruppen sind darüber hinaus in das Geschehen der Kirche in Slowenien eingebunden.


Tiefe christkatholische Wurzeln in zahlreichen Dörfern, die der Pfarre Šentjur angehören, werden auch daraus ersichtlich, dass aus der Pfarre eine stattliche Anzahl von geistlichen Berufen, sowohl Priester, als auch Ordensschwestern und Laienbrüder hervorging. Wenngleich sie in verschiedenen Einrichtungen in Slowenien und in der Welt tätig sind, sie alle pflegen enge Kontakte mit der Heimatpfarre und kehren gerne zurück. Die letzte Primiz wurde in Šentjur im Jahre 2010 gefeiert.